Farbchronik mit Grußworten, Historie und allen 50 Einschulungsjahrgängen von 1954-2004
 

Schulgeschichte

Bonbadener Schulgeschichte - Auf Spurensuche

Die Schulgeschichte in einem Ort ist untrennbar mit den jeweiligen Handlungen und Vorstellungen der Menschen verbunden, die in dem Ort wohnen - Schulgeschichte ist ein Teil Kulturgeschichte eines Dorfes und Dorfgeschichte ist ein Teil der Schulgeschichte. Diese Komplexität anlässlich des 50jährigen Schuljubiläums der „Neuen Schule“ darzustellen, würde den Rahmen dieses Heftes sprengen. So beschränke ich mich auf die Geschichte der Schulen in Bonbaden.
Bis 1850 ist die Schulgeschichte von der Kirchengeschichte geprägt und diese wiederum von der Landesgeschichte, also in unserem Falle von dem Grafen oder späteren Fürsten (ab 1742) als Landesherr. Er allein konnte nach der Prüfung durch den Pfarrer den Lehrerbewerber einstellen. So ein Bewerber hatte natürlich die besten Aussichten, wenn er aus dem Ort kam und seine Stube, die damals praktisch die "Schule" war, zum Lesen bzw. Schreiben und viel mehr gab es nichts zu lernen, zur Verfügung stellte. 1558 haben wir den ersten überlieferten Hinweis, dass bei den damals so genannten Kirchenvisitationen der kirchliche und sittliche Zustand der Gemeinde und der Geistlichen erforscht wurde. Was verbarg sich dahinter? Was wurde erforscht?

1.) Die Bibliothek des Pfarrers
2.) Lehre und Wandel des Pfarrers
3.) Schulen (in unserem Falle also die Schulstube)
4.) Der moralische Zustand der Gemeinde
5.) Die Kirchenältesten (sie waren führende Leute und sollten mit gutem Beispiel vorangehen.)
6.) Die Kirchendisziplin (wie war der Kirchenbesuch usw.)

In einem Visitationsbericht von 1570 beklagt sich der Bonbadener Pfarrer über den schlechten Besuch der Kinderlehre und damit meinte er eigentlich in unserer heutigen Sprache einen mangelhaften Schulbesuch.
Noch 1772, als Goethe gerade in Wetzlar weilte, wurde noch vom Fürstlich Solms'schen Konsistorium festgesetzt, dass wenigstens von Pfingsten bis Michaelis (29. September) täglich eine Stunde Schule gehalten werden soll. Die Kinder, deren Schulpflicht darin bestand, bis sie ihr Christentum verstehen und zum heiligen Abendmahl zugelassen sind, hatten eben noch viel bei der Feldarbeit zu helfen, die Bildung hatte einen anderen Stellenwert. Die Winterschule (also von Oktober bis Pfingsten) war da schon etwas härter: Täglich 3 Stunden vormittags und 2 Stunden nachmittags - hoffentlich hat sich da noch etwas in die einstündige Sommerzeit hinübergerettet oder umgedreht.
Just 1674 baut man eine Scheune, die später die Schulscheune der Türmchenschule wird. Für 1684 können wir davon ausgehen, dass laut erstem amtlichen Einwohnerverzeichnis von Bonbaden höchstens 20 schulpflichtige Kinder bei 103 Einwohnern die Schule besuchten.
Und endlich wird 1836 das erste Schulgebäude, die Türmchenschule, auf Antrag des damaligen Lehrers Lind erbaut. Nun hat Bonbaden aber auch schon 448 Einwohner (Stand 1840). 1878 wird bereits nach einem längeren Anlauf der Gemeinde die Kreuzbergschule erbaut. Im Ort wird sie liebevoll „die weiß Schul“ genannt. Jetzt hat Bonbaden bereits 611 Einwohner (Stand 1875).
In den folgenden Jahrzehnten erlebte Bonbaden durch den Bergbau, die enorme Industrialisierung in Wetzlar durch Buderus (1870), die Eisenbahn (1912), die Elektrifizierung (1920), die beiden Weltkriege mit seinen Facetten immer wieder ein Auf und Ab.
Dennoch wuchs das Dorf bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Neue Wohngebiete wurden erschlossen und das Wirtschaftswunder begann. Damit verband sich auch die Notwendigkeit, eine "Neue Schule", die den veränderten Bedürfnissen gerecht werden sollte, zu bauen. So entstand die "Neue Schule" am Kreuzberg, unsere heute 50jährige Grundschule. Die Einweihung feierte die Schul- und Dorfgemeinde am 13.03.1954.
Im Erdgeschoss der „Kreuzbergschule“ wurden öffentliche Bade- und Duschräume eingerichtet. Für viele Bonbadener Bürger war das samtägliche Zeremoniell einer kollektiven Reinlichkeit der bescheidene Anfang einer Bade- und Dusch-Hygiene.

Baldur Gerth, März 2004

Einweihung der “Neuen Schule” (13.03.1954)

“Jugend pflanzt einen Baum jüngst zur Schulhausweihe in Bonbaden”, Wetzlarer Neue Zeitung 16.03.1954.
Den Baum hält Willi Söhnchen,
am Spaten Bernd Wenzel.


Die Grundschule Bonbaden wird zu einer Lernwerkstatt

Über die Zeit des Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit liegen keine Aufzeichnungen vor. 1952 übernahm Herr Theim die Hauptlehrerstelle, zusammen mit Herrn Dietrich und Frau Ebertz bildeten sie das Kollegium. Zeitweise wurden sie durch Abordnungen aus anderen Schulen verstärkt.
1977 ging Herr Theim in den Ruhestand, seine Funktion übernahm Herr Dietrich, er musste aber aus gesundheitlichen Gründen dreieinhalb Jahre später auch ausscheiden. Nun wurde die Schule immer wieder von Braunfels bzw. Nauborn mit verwaltet, bis im Frühjahr 1982 Frau Kirschner Schulleiterin wurde.
Mit ihr begann eine „neue Zeit“: sie öffnete den Eltern alle Türen. Von nun an gab es vielfältige Elterngespräche, Stammtische, Eltern arbeiteten im Unterricht mit, boten Arbeitsgemeinschaften auch nachmittags für Kinder an, Schulfeste aller Art wurden ausgerichtet, Basare durchgeführt und eine Schulzeitung regelmäßig herausgegeben.
Mit den Eltern zusammen wurde das Schulgebäude zu einer wohnlichen Arbeitsstätte, der Schulhof zu einer Spielfläche umgestaltet und 1985 der Schulgarten eingeweiht. Dies führte dazu, dass trotz dem massiven Rückgang der Schülerzahl - 1985 waren es nur noch 35 Kinder in zwei Klassen - die Schule trotz mehrfacher Spekulationen in der Zeitung nicht geschlossen wurde.
Frau Ebertz ging 1986 in den Ruhestand. Es kamen wieder mehr Kinder, so dass sich seit Frühjahr 1987 mit Frau Scholl, Sommer 1988 mit Frau Kiehl-Krau - welche aus gesundheitlichen Gründen 1994 ausschied - Sommer 1990 mit Frau Henkel und Sommer 1991 mit Frau Gerster-Engelbach ein neues „Stammkollegium“ zusammenraufte. Dadurch wurden auch die ständigen Abordnungen aus der Gesamtschule Braunfels überflüssig.
Im Frühjahr 1986 erhielt die Schule endlich eine halbe Hausmeisterstelle in Person von Herrn Dommert, der engagiert die Bereicherung der Räume mit zum Teil selbst gebauten Möbeln vorantrieb. Als er im Herbst 1991 in den Ruhestand ging, trat Herr Kredel nahtlos seine Nachfolge bis Januar 1997 an. Unterstützt wurden beide von Frau Söhngen, die seit Frühjahr 1987 als „stiller Hausgeist“ für Sauberkeit sorgt, Blumen wachsen lässt und auch sonst kreativ die Schule unterstützt.
Die Kontinuität des Kollegium führte dazu, dass in wöchentlichen pädagogischen Konferenzen die Grundlagen der Arbeit in Abstimmung mit den Eltern erarbeitet wurden. Dies hatte zur Folge, dass Außenstehende die Schule und ihr Programm kennen lernen wollten. Deshalb wurde ab Mai 1988 die Schule für an Pädagogik interessierte Erwachsene an Nachmittagen geöffnet. Während 10 Jahre informierte Frau Kirschner bei solchen Terminen über 4000 BesucherInnen aus ganz Hessen und darüber hinaus.
Als steigende Schülerzahlen ab 1992 (79 Kinder) die Rückumwandlung des Gymnastikraums in ein Klassenzimmer verlangte, begann das Ringen der Schulgemeinde um einen Anbau. Inzwischen war die Wertschätzung der Schule durch die Gemeinde so gestiegen, dass sich alle Vereine, Geschäfte und Institutionen bemühten, durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit den Schulträger zum Bau eines Mehrzweckraumes zu gewinnen, obwohl dieser es schon mehrmals abgelehnt hatte. Als er dann doch einwilligte, wurde der Bau mit Sanierungsarbeiten an der Deckenkonstruktion und Toilettenanlage verbunden, so dass das Gebäude zweieinhalb Jahre lang einer Baustelle glich. Mit einem großen Fest konnte der Mehrzweckraum 1997 eingeweiht werden. Kurz zuvor nahm der Förderverein seine Arbeit auf.
Weiter steigende Schülerzahlen auf über 90 Kinder brachte im Herbst 1995 Herrn Drumla an die Schule. Als Frau Kirschner 1999 an das ZeBraH nach Wetzlar gerufen wurde, übernahm er 2002 die Schulleitung.

Gerhild Kirschner, März 2004


Die Leitungsarbeiten wurden zwischen 1999 und 2002 von den Kollegen gemeinsam, als Team, getragen.
Da das Kollegium und die Elternschaft auf ein hohes Niveau pädagogischer Arbeit schauen konnten, lagen die Innovationsschwerpunkte seit 1999 überwiegend in anderen Bereichen. So wurde mit dem noch jungen Förderverein der Schule das seit Jahren bestehende AG-Angebot ausgeweitet.
Durch Engagement des Fördervereins einerseits und qualifizierte AG-Leiter als Honorarkräfte andererseits, steht seit Februar 2001 ein sehr attraktives Betreuungsangebot zur Verfügung, welches von etwa 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler genutzt wird.

Weil ein neuzeitlicher Unterricht auch in adäquater Umgebung durchgeführt werden sollte, wurden in den Jahren weitere große Anstrengungen in und um die Schule herum unternommen. Die ehemaligen Dusch- und Baderäume im Untergeschoss präsentieren sich seit 2002 als moderner Werkraum. Die Finanzierung der Einrichtung übernahm dabei der Förderverein.

Zeitgleich wurde der städtische Spielplatz neben der Schule umgestaltet und stellt nun wieder ein attraktives Pausengelände für die Grundschüler dar. Darüber hinaus wurden 2001 die Eingangshalle mit Bibliothek sowie die Küche den neuen Anforderungen angepasst. Auch in den Klassenräumen hat sich viel getan. Sie widerspiegeln ein anregendes Unterrichtsklima. Im letzten Jahr wurden die 49 Jahre alten Fenster durch neue ersetzt. Eine ungehinderte Sicht ins Freie ist nun wieder möglich. All dies wäre nicht möglich ohne diese engagierte Elternschaft, die fleißigen Mitarbeiter, die selbstlosen Lehrer der Schule und natürlich ohne offene Ohren des Schulträgers, dem Lahn-Dill-Kreis.

Seit dem Bau des Gebäudes durch den Bonbadener Architekten Wilhelm Watz ist ein halbes Jahrhundert vergangen. Drei Schülergenerationen prägten dabei dieses Haus gleichermaßen. Letztendlich bleibt zu erwähnen, dass genau im 50sten Jahr der Schule der Urenkel Alexander des Architekten und Bauleiters Wilhelm Watz eingeschult wurde. Wenn das kein Zufall ist …

Jan Drumla, April 2004